Shalom und herzlich willkommen,

folgend möchte ich mich mit der Frage auseinandersetzen, inwiefern die biblischen Festtage aus dem 3. Mose, 23 außerhalb Israels zu betrachten sein könnten. Bevor ich in die Thematik einsteige, möchte ich Folgendes anmerken: Das Ziel der folgenden Ausarbeitung hat explizit nicht zum Ziel, die Behauptung aufzustellen, dass das Halten Festtage verboten ist. Es gibt jedoch sehr wohl einige Dinge im Bezug auf die Festtage, welche meine Einstellung zu den Festtagen verändert haben. Es gibt meiner Meinung nach einige Dinge, welche zu bedenken sind, bevor man davon sprechen kann, die biblischen Festtage zu halten. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass wir uns im Exil befinden und nicht in Israel. Darüber hinaus existiert momentan weder der Tempel, noch das levitische Priestertum. 

Ich persönlich habe die biblischen Festtage seit 2010 “gehalten” bzw. gefeiert. Dies beinhaltete, dass man sich an den entsprechenden Tagen Urlaub nahm und wenn möglich an einer Versammlung teilgenommen hat, welche den Festtag hielt. Alternativ hat man eine entsprechende Feier selbst bei sich zu Hause ausgerichtet. Im Jahr 2017 vor den Spätjahresfesten jedoch sind mir beim Lesen in der Bibel einige Dinge im Bezug auf die Festtage ins Auge gestochen, die ich so vorher noch nicht bedacht hatte. Damit keine Missverständnisse entstehen, fange ich ganz vorne an. Zuerst einmal möchte ich die einschlägige Bibelstelle zu den Festtagen anschauen.

Was sind die biblischen Festtage?

Im 3. Buch Mose Kapitel 23 werden alle Festtage vom Passahfest bis zum Laubhüttenfest aufgezählt. Ohne jetzt das ganze Kapitel hier zu zitieren ist es jedoch auffällig, dass an allen Festtagen spezifische Opfer dargebracht werden sollen, und zwar vom Priester. Die Darbringung der Opfergaben wiederum setzt voraus, dass es einen Tempel und einen Opferalter geben muss, folgend zwei Beispiele:

3. Mose 23:8, (Passahfest):
Und ihr sollt dem Herrn sieben Tage lang ein Feueropfer darbringen. Am siebten Tag ist eine heilige Versammlung, da sollt ihr keine Werktagsarbeit verrichten.

3. Mose 23:19-20 (Shavuot / Pfingsten):
Ihr sollt auch einen Ziegenbock zum Sündopfer und zwei einjährige Lämmer zum Friedensopfer opfern; und der Priester soll sie samt den Erstlingsbroten weben, zusammen mit den beiden Lämmern, als Webopfer vor dem Herrn. Die sollen dem Herrn heilig sein und dem Priester gehören.

Bei den Opfergaben zum Shavuotfest gehören u.a. Friedensopfer dazu. Bei der Ordnung zur Ausführung eines Friedensopfers lesen wir folgendes:

3. Mose 3/3-5:

Dann soll er von dem Friedensopfer ein Feueropfer für den Herrn darbringen: das Fett, das die Eingeweide bedeckt, auch alles Fett, das an den Eingeweiden hängt; dazu die beiden Nieren samt dem Fett daran, das an den Lenden ist, und den Leberlappen; samt den Nieren soll er es wegnehmen. Und die Söhne Aarons sollen es auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen, samt dem Brandopfer, das auf dem Holz über dem Feuer liegt, als ein Feueropfer zum lieblichen Geruch für den Herrn.

Momentan gibt es weder einen Tempel, noch ein levitisches Priestertum. Die Darbringung von Opfergaben ist somit auch nicht möglich. Diese sind für die korrekte Ausführung der Festtage jedoch zwingend vorgeschrieben. Darüber hinaus wurden die Festtage gemäß den o.g. Bestimmungen immer in Israel ausgerichtet. Das Halten der Festtage im biblischen Sinne steht somit in einem direkten Zusammenhang mit dem Land Israel, dem Tempel und dem Priestertum. Die meisten von uns befinden sich jedoch außerhalb Israels im Exil. Eine realistische Möglichkeit nach Israel einzuwandern besteht i.d.R. nicht und selbst wenn dies im Einzelfall gelingen sollte, fehlt weiterhin der Tempel und das levitische Priestertum.

Wann sind die biblischen Festtage?

Hinter dieser Frage verbürgt sich eines der größten Dilemmas, wenn es darum geht, dass man die Festtage halten möchte. Offensichtlicher Weise, kann es nur einen richtigen Tag geben, an welchem der jeweilige Festtag zu halten wäre. Dazu bedarf es einem biblischen Kalender, welcher die Festtage korrekt festsetzt. Leider gibt es nicht den einen biblischen Kalender, sondern es gibt mehrere verschiedene. Hier nur ein paar Beispiele:

  • der jüdische Kalender, (Hillel II)
  • Neumondkalender (Sichtung der 1. Mondsichel)
  • astronomischer Neumondkalender (Sichtung des verdeckten Mondes) 
  • Lunar Sabbatkalender

Der biblische Kalender richtet sich nach den Neumond. Es ist jedoch debattierbar, ob der Monatsanfang durch die erste sichtbare Mondsichel oder vielleicht doch durch den verdeckten Mond gekennzeichnet ist. Den Lunar Sabbatkalender halte ich persönlich für eine Irrlehre und gehe daher nicht weiter darauf ein. Falls Interesse besteht, möchte ich über den folgenden Link an eine Ausarbeitung verweisen, welche sich mit der Irrlehre des Lunar Sabbats auseinandersetzt. 

Ich persönlich bin lange Zeit nach der sichtbaren Mondsichel in Israel gegangen, doch auch dort kann es zu Problemen kommen. Der erste biblische Monat wird durch die Mondsichtung und durch die Sichtung der Gerste festgelegt. Diese muss einen bestimmten Reifezustand erreicht haben, genannt: Abib. Falls der Abibzustand zur Sichtung des Neumondes noch nicht  erreicht wurde, beginnt das biblische Jahr einen Monat später. Ich habe persönlich mindestens ein Jahr miterlebt, wo darüber gestritten wurde, ob die Gerste schon Abib war oder nicht. Dies führte dazu, dass durch die unterschiedliche Beurteilung der Gerste einige das Passahfest erst einen Monat später gehalten haben, je nachdem, welcher Meinung gefolgt wurde. Im besten Fall lag einer von beiden richtig, es kann aber auch sein, dass beide Parteien falsch lagen. 

Wir sehen an diesem Beispiel schon, dass es niemanden gibt, welcher mit absoluter Sicherheit sagen kann, dass er die richtige Methode erwählt hat. Darüber hinaus ist das Sichten der Abibgerste erst seit dem Internetzeitalter ein Thema. Zuvor gab es gar nicht die Möglichkeit, dass jemand in Israel die Gerste und den Neumond sichtet, um dann das Ergebnis an die Welt zu verkünden. In der Vergangenheit gab es also gar keine andere Möglichkeit, als dem im Voraus festgesetzten jüdischen Kalender zu folgen.

Es gibt auch einen ganz einfachen Grund für diesen ganzen Kuddelmuddel. Es mangelt schlicht und ergreifend an einer entsprechenden Autorität, welche allgemeinverbindlich für die Welt die Festtage bestimmen und ausrufen könnte. Diese Autorität kann nur das levitische Priestertum sein, welches im Tempel mit diesem Dienst betraut wurde. Wie wir bereits wissen, existiert beides momentan nicht. Dies hat zur Folge, dass ein jeglicher, der sich berufen fühlt, die Festtage nach eigenem Gusto ausrufen kann. Es ist dabei auch unerheblich, wie absurd eine Methode dabei auch sein mag. Nachfolger werden sich immer finden. Unser Versuch, die biblischen Festtage “zu halten”, scheitert somit auf ganzer Linie:

  • Wir wissen zwar, wie die Festtage gehalten werden sollten (3. Mose 23), doch dies ist nicht möglich mangels Tempel und Priestertum. 
  • Wir wissen auch, wo die Festtage gehalten werden sollen (in Israel), doch aufgrund des Exils ist dies den meisten von uns nicht dauerhaft möglich. 
  • Wir wissen leider nicht, wann genau die Festtage gehalten werden sollen. Dies ist ebenfalls darin begründet, dass wir momentan weder Tempel noch Priestertum haben, welche die Festtage allgemeinverbindlich festlegen würden. 

All das führte zu vielen (unnötigen) Spaltungen und Streitereien. Dies ging mitunter soweit, dass einzelne Menschen die Gemeinschaft aufgekündigt haben, weil sie eine Einsicht oder Offenbarung darüber gewonnen haben, welcher Kalender der Richtige sei. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich nicht sagen, dass der Eifer um den “richtigen Kalender” insgesamt zu einer guten Frucht geführt hat. 

Die Problematik des Exils

Durch die guten wirtschaftlichen Bedingungen in Deutschland und einem daraus resultierenden recht hohen Grad an individuellem Wohlstand, läuft man Gefahr, in eine Art Selbstgefälligkeit zu verfallen. Sicherlich kann man ein gutes Gehalt und eine gesunde Familie sehr wohl als einen Segen Gottes verstehen. Doch oftmals vergessen wir dabei unter Umständen, dass wir uns immer noch im Exil befinden.

Der Zustand des Exils ist jedoch kein Segen, sondern ein Fluch und für die meisten von uns ist es momentan nicht möglich, legal nach Israel einzuwandern. Viele von uns fühlen sich darüber hinaus dermaßen wohl in der momentanen Situation, dass man gar nicht bereit wäre, das Exil zu verlassen, selbst wenn die Möglichkeit bestünde. In den jüdischen Exilgemeinden z.B. kann man gut sehen, dass viele Juden freiwillig im Exil verweilen, auch religiöse Juden. Es ist schwer zu glauben, dass sich dies bei uns anders gestalten würde. Daran sehen wir, dass viele von uns das Problem des Exilzustandes noch gar nicht wirklich verinnerlicht haben. Dieser Zustand kann durch das “Halten der Festtage” womöglich noch verstärkt werden. 

Wie ich zu Anfangs bereits erwähnt habe, sage ich hiermit nicht, dass wir die Festtage nicht mehr beachten sollen oder dass es gar verboten wäre, diese zu feiern. Ich möchte nur versuchen, darauf hinzuweisen, dass im Exil von einem “Halten der Festtage” im biblischen Sinne, aufgrund fehlender Voraussetzungen eigentlich nicht die Rede sein kann. Wenn überhaupt, kann man vielleicht davon reden, dass man an die Festtage gedenkt. 

Hielt Israel die Festtage im Exil?

Ich möchte die o.g. Frage nur im Bezug auf die Exilzeiten betrachten, welche in der Bibel beschrieben sind. Die jüdischen Gemeinden weltweit halten i.d.R. die Feste gemäß dem jüdischen Hillel II Kalender bis heute. 

Als sich  Israel in der Knechtschaft in Ägypten befand, bat Moses den Pharao darum, dass Israel drei Tagereisen weit in die Wüste ziehen darf, um dem Herrn ein Fest zu feiern. Dies wurde verneint, der Pharao bot Israel jedoch an, das Fest in Ägypten zu halten. 

2. Mose 8:21-23:

Da rief der Pharao Mose und Aaron zu sich und sprach: Geht hin, opfert eurem Gott in diesem Land! Mose sprach: Das schickt sich nicht, dass wir so etwas tun; denn wir würden dem Herrn, unserem Gott, opfern, was den Ägyptern ein Gräuel ist! Siehe, wenn wir dann vor den Augen der Ägypter opferten, was ihnen ein Gräuel ist, würden sie uns nicht steinigen? Drei Tagereisen weit wollen wir in die Wüste ziehen und dem Herrn, unserem Gott, Opfer darbringen, so wie er es uns befehlen wird.

Hier können wir sehen, dass es Israel nicht gestattet war, das Fest in Ägypten (im Exil) zu feiern. Das Passahfest gehörte neben Shavuot und dem Laubhüttenfest zu den drei Pilgerfesten. Hier ist es explizit vorgeschrieben, dass das jeweilige Fest in Jerusalem gefeiert werden musste. Wir müssen hier natürlich bedenken, dass das erste Passah in Ägypten explizit auch dort gehalten werden durfte. Die  jährliche Passahfeier, im Gedenken an dem Auszug, sollte jedoch in Israel (Jerusalem) gehalten werden. 

5. Mose 16:5-6:

Du darfst das Passah nicht in einem deiner Tore schlachten, die der Herr, dein Gott, dir gibt; sondern an dem Ort, den der Herr, dein Gott, erwählen wird, um seinen Namen dort wohnen zu lassen, dort sollst du das Passah schlachten, am Abend, wenn die Sonne untergeht, zu eben der Zeit, als du aus Ägypten zogst.

Für den Fall, dass es einem nicht möglich war am Passahfest in Jerusalem zu sein, gab es sogar die Möglichkeit, das Fest einen Monat später nachzuholen. Es gab somit gar nicht die Option, Passah außerhalb von Jerusalem zu halten. 

4. Mose 9:10-11:

Rede zu den Kindern Israels und sprich: Wenn jemand von euch oder von euren Nachkommen wegen einer Leiche unrein wird oder fern auf der Reise ist, so soll er dennoch dem Herrn das Passah halten. Im zweiten Monat, am vierzehnten Tag sollen sie es zur Abendzeit halten und sollen es mit ungesäuertem [Brot] und bitteren Kräutern essen.

Das erste Passah hielt Israel direkt vor dem Auszug aus Ägypten. Anschließend hielt Israel noch ein weiteres Passahfest in der Wüste. Es ist naheliegend, dass Israel während der 40 jährigen Wanderschaft ins gelobte Land kein weiteres Passahfest mehr gehalten hat. Am Passah durften Männer nur teilnehmen, wenn sie beschnitten waren. Die Kinder, welche in der Wüste geboren wurden, waren nicht beschnitten. Dies wurde erst beim Einzug ins Land von Joshua nachgeholt.

Joshua 5:7-10:

Ihre Söhne nun, die Er an ihrer Stelle erweckt hatte, die beschnitt Josua; denn sie waren unbeschnitten, weil man sie auf dem Weg nicht beschnitten hatte. Als nun das ganze Volk beschnitten war, blieben sie an ihrem Ort im Lager, bis sie heil wurden. Und der Herr sprach zu Josua: Heute habe ich die Schande Ägyptens von euch abgewälzt! Darum wird jener Ort Gilgal genannt bis zu diesem Tag. Während nun die Kinder Israels sich in Gilgal lagerten, hielten sie das Passah am vierzehnten Tag des Monats, am Abend, in den Ebenen von Jericho.

Es ist unwahrscheinlich, dass Isral in den Jahren in der Wüste das Passah hielt, obwohl die männlichen Nachkommen nicht beschnitten waren. Darüber hinaus sollte Israel das Passah halten, nachdem sie in das Land gekommen sind. Ich halte es nicht für einen Zufall, dass direkt nach der Beschneidung der neuen Generation ein Passahfest gehalten wurde. Auch in jüdischen Quellen geht man davon aus, dass es nach der 2. Passahfeier in der Wüste, kein weiteres Passahfest mehr gab. Dies geschah erst wieder nach der Beschneidung der neuen Generation, welche letztlich auch ins Land einzog. 

2. Mose 12:24-25:

Und ihr sollt diese Verordnung (zum Passah) einhalten als eine Satzung, die dir und deinen Kindern auf ewig gilt! Und nun, wenn ihr in das Land kommt, das euch der Herr geben wird, wie er geredet hat, so bewahrt diesen Dienst.

In der persischen Gefangenschaft gab es definitiv kein Laubhüttenfest. Ich gehe davon aus, dass auch keines der anderen Nichtpilgerfeste im persischen Exil gefeiert wurde. 

Nehemia 8:17:

Und die ganze Gemeinde derer, die aus der Gefangenschaft zurückgekehrt waren, machte Laubhütten und wohnte in den Hütten. Denn die Kinder Israels hatten es seit der Zeit Josuas, des Sohnes Nuns, bis zu diesem Tag nicht so gemacht. Und sie hatten sehr große Freude.

Der entscheidende Satz im o.g. Vers ist, dass das Laubhüttenfest seit den Tagen Joshuas nicht mehr so  gefeiert wurde. Zuvor bin ich schon darauf eingegangen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen den Festtagen, dem Tempel und dem Priestertum gibt. Diese Tatsache sehen wir im Buch Esra bestätigt. 

Esra 6:19-22:

Und die Kinder der Gefangenschaft hielten das Passah am vierzehnten Tag des ersten Monats. Denn die Priester und die Leviten hatten sich gereinigt wie ein Mann, sodass sie alle rein waren und sie schächteten das Passah für alle Kinder der Gefangenschaft und für ihre Brüder, die Priester, und für sich selbst. Und die Kinder Israels, die aus der Gefangenschaft zurückgekehrt waren, aßen es, und alle, die sich von der Unreinheit der Heiden im Land abgesondert und sich ihnen angeschlossen hatten, um den Herrn, den Gott Israels, zu suchen Und sie hielten das Fest der ungesäuerten Brote sieben Tage lang mit Freuden; denn der Herr hatte sie fröhlich gemacht und das Herz des Königs von Assyrien ihnen zugewandt, sodass ihre Hände gestärkt wurden in dem Werk am Haus Gottes, des Gottes Israels.

Hier sehen wir eindeutig, dass die Kinder Israels das Passahfest halten konnten, weil die Priester und Leviten sich gereinigt hatten. Die explizite Herausstellung derReinheit der Priester und Leviten steht in einem direkten Zusammenhang mit der Passahfeier. Daraus schließe ich, dass die Priester eine Voraussetzung dafür waren, dass Israel das Passah überhaupt halten konnte. Ein Halten der biblischen Feste gemäß den biblischen Verordnungen ist demnach ohne Tempel bzw. Altar und vorhandenem levitischen Priestertum nicht durchführbar. 

Im Buch Sacharja lesen wir, dass die Heiden im tausendjährigen Friedensreich zumindest das Laubhüttenfest halten müssen. 

Sacharja 14:16-17:

Die Übriggebliebenen der Heidenvölker werden in Jerusalem den Herrn anbeten.Und es wird geschehen, dass alle Übriggebliebenen von all den Heidenvölkern, die gegen Jerusalem gezogen sind, Jahr für Jahr heraufkommen werden, um den König, den Herrn der Heerscharen, anzubeten und das Laubhüttenfest zu feiern. Und es wird geschehen: Dasjenige von den Geschlechtern der Erde, das nicht nach Jerusalem hinaufziehen wird, um den König, den Herrn der Heerscharen, anzubeten, über dieses wird kein Regen fallen.

Wir sehen hier, dass es im Friedensreich keine Option sein wird, das Laubhüttenfest in einem anderen Land zu feiern. Das Laubhüttenfest ist eines der drei Pilgerfeste, welche in Jerusalem stattfinden mussten. Ich denke, dass ein Feiern der biblischen Feste zu Zeiten der biblisch beschriebenen Exile daher nicht stattfand. Diese wurden erst wieder aufgegriffen, als Israel aus den jeweiligen Gefangenschaften zurück ins Land gehen durfte. 

Fazit

Ich glaube, dass die Feste eine wichtige Botschaft für uns beinhalten und ich halte es für wichtig, sich mit den Festen zu befassen. Ich denke auch, dass ein jeder auf seine Weise die Feste halten kann. Ein feiern der Feste im biblischen Sinne ist meiner Meinung jedoch nicht möglich. Es gibt weder Tempel noch Priestertum und die meisten von uns befinden sich fern vom heiligen Land im Exil. 

Ein weiteres großes Problem im Bezug auf die Festtage ist die Tatsache, dass wir gar nicht genau wissen, wie der korrekte biblische Kalender festzulegen ist. Darüber hinaus gibt es mangels legitimen Priestertum auch niemanden, welcher die Autorität hätte, dieses zu tun. Daher ist es mindestens fraglich, inwiefern man überhaupt davon reden kann, die Festtage an den tatsächlich richtigen Tagen zu halten.

Insgesamt würde ich sagen, dass die Voraussetzungen zum “Halten der Festtage” nicht gegeben sind, solange das Exil weiter Bestand hat und solange es keinen Tempel samt Priestertum gibt. Ich sehe daher auch keine zwingende Verpflichtung mehr darin, an den vermeintlichen Festtagen einen Sabbat der Ruhe zu halten. Denn wie bereits erwähnt, können wir nicht wirklich davon ausgehen, dass wir überhaupt den richtigen Tag erwischt haben aufgrund der vielen verschiednen Kalender, die kursieren. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Israel die Festtage in den biblischen Exilzeiten ebenfalls nicht gehalten hat. 

Es spricht meiner Meinung nach jedoch auch nichts dagegen, sich für einen der Kalender zu entscheiden und ggfs. auch für die entsprechenden Tage Urlaub zu nehmen. Einen Zwang zum Halten eines Festruhetages sehe ich allerdings nicht mehr. In jedem Fall halte ich es für sinnvoll an die Festtage zu gedenken und ggfs. auch eine Art Versammlung oder Feier auszurichten. Dies kann im Rahmen einer Gemeinschaft stattfinden oder im Rahmen der eigenen Familie. Falls man alleinstehend ist, dann auch in diesem Rahmen. Die Ausgestaltung einer solchen Gedenkfeier ist einem jeden selbst überlassen, da wir die biblischen Vorschriften für die Festtagsfeiern sowieso nicht erfüllen können. Es handelt sich in dem Fall nach meinem Verständnis jedoch um ein Gedenken an die Festtage und nicht um ein “Halten der Festtage” im biblischen Sinn.

Diese Ausarbeitung schildert lediglich mein persönliches Verständnis zu diesem Thema. Ich kann keinerlei Garantie dafür abgeben, dass ich damit richtig liege. Ein jeglicher, der diesen Text gelesen hat, muss sein persönliches Verständnis hierzu durch Gebet und Bibelstudium für sich selbst finden. Mir ist auch klar, dass viele höchst wahrscheinlich anderer Meinung sein werden.