Shalom und herzlich willkommen,

ich möchte mich heute mit der Thematik Glaubenswerke auseinandersetzen, denn dieses Thema kann mitunter zu Kontroversen führen. Wenn von Werken im Glauben die Rede ist, wird nicht selten der Begriff “Werksgerechtigkeit” bemüht. Wer Werke tut, heißt es dann, verachte die Gnade, die wir in Yeshua empfangen haben. In der Tat kann niemand aufgrund von Werken vor Gott gerecht sein.

Römerbrief 3/20:

Weil aus Werken des Gesetzes kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden kann; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.

Doch heisst dies, dass wir uns auf der Gnade ausruhen sollen?

Manch einer würde vielleicht sogar soweit gehen zu sagen, dass wir mutwillig sündigen sollen, damit die Gnade des Maschiachs umso größer wirke. Die Schriften des Apostel Paulus werden vielfach genutzt, um diese oder ähnliche Lehren zu untermauern, und zwar schon zu seinen Lebzeiten. Paulus selbst jedoch widerspricht dieser falschen Lehre sehr entschieden.

Römerbrief 3/8:

Müsste man dann nicht so [reden], wie wir verleumdet werden und wie etliche behaupten, dass wir sagen:»Lasst uns Böses tun, damit Gutes daraus komme«? Ihre Verurteilung ist gerecht!

Wie wir sehen können, sind diese Verleumdungen gegen den Apostel Paulus nichts Neues. Dieses falsche Verständnis seiner Briefe hält leider bis heute an und teilweise muss man schon davon ausgehen, dass dies mutwillig geschieht. Auch der Apostel Petrus tadelte diese Fehldeutungen:

2. Petrusbrief 3/15-16:

Und seht die Langmut unseres Herrn als [eure] Rettung an, wie auch unser geliebter Bruder Paulus euch geschrieben hat nach der ihm gegebenen Weisheit, so wie auch in allen Briefen, wo er von diesen Dingen spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Ungefestigten verdrehen, wie auch die übrigen Schriften, zu ihrem eigenen Verderben.

In der Tat sind die Schriften von Paulus mitunter schwer verständlich. Dies liegt jedoch daran, dass er sehr versiert in den heiligen Schriften war. Er studierte unter dem berühmten Rabbiner Gamaliel und war nach eigener Aussage einer der eifrigsten Schüler, (Apostelgeschichte 22/3). Um überhaupt als Schüler von Gamaliel akzeptiert zu werden, musste man mindestens die gesamte Torah (5 Bücher Mose) auswendig gelernt haben. Ein Grundverständnis in der Torah, den Propheten und den Schriften sollte beim Lesen der Paulusbriefe somit vorhanden sein. Sonst läuft man Gefahr zu falschen Schlussfolgerungen zu gelangen. Ich möchte an dieser Stelle meinen Kommentar zum Römerbrief empfehlen, wo ich detaillierter auf einige dieser schwierigen Passagen eingehe.

 

Kann es Glauben ohne Werke geben?

Wir konnten bis hierhin lernen, dass niemand aufgrund von Werken vor Gott gerechtfertigt werden kann. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir mutwillig sündigen sollen, auch wenn es Lehren gibt, welche dieses behaupten. Es kann also nicht darum gehen, dass wir Werke tun, damit Gott uns als gerecht ersieht. Die Erlösung erfolgt Kraft des Blutes unseres Erlösers Yeshua Maschiach. Und der Heilige Geist leitet uns in den Wegen Gottes und gibt uns Kraft, nicht länger gemäß dem Fleisch zu wandeln.

Johannes 16/13:

Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.

Römerbrief 8/1-2:

So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind, die nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.

Dies heißt jedoch nicht, dass wir uns auf der Gnade Yeshuas ausruhen sollen. Vielmehr zeugen unsere Werke davon, dass die Erlösung wahrhaftig in uns geworden ist. Die Werke resultieren aus der Tatsache heraus, dass wir wahrhaftig von der Knechtschaft der Sünde freigekauft wurden und nun, Kraft des Heiligen Geistes, in der Lage sind, wohlgefällig vor Gott zu wandeln. Zumindest ist letzteres das Endziel. Der Weg dorthin ist ein Prozess, welcher jedoch auch eine Anstrengung von unserer Seite voraussetzt. Yeshua selbst spricht davon, dass seine Nachfolger darin gefunden werden, Werke des Glaubens tun.

Matthäus 5:15-16:

Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; so leuchtet es allen, die im Haus sind.
So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

 

Johannes 14:12-13:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zu meinem Vater gehe. Und alles, was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht wird in dem Sohn.

 

Im Buch der Offenbarung rügt Yeshua sogar die Gemeinde in Sardes dafür, dass ihre Werke noch unvollendet sind:

Offenbarung 3:1-2:
Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt der, welcher die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist doch tot. Werde wach und stärke das Übrige, das im Begriff steht zu sterben; denn ich habe deine Werke nicht vollendet erfunden vor Gott.

 

Der Apostel Jakobus ist sehr deutlich darin, dass der Glaube ohne die Werke tot ist, Jakobusbrief 2/14-20:

Was hilft es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann ihn denn dieser Glaube retten? Wenn nun ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und es ihnen an der täglichen Nahrung fehlt, und jemand von euch würde zu ihnen sagen: Geht hin in Frieden, wärmt und sättigt euch, aber ihr würdet ihnen nicht geben, was zur Befriedigung ihrer leiblichen Bedürfnisse erforderlich ist, was würde das helfen? 

So ist es auch mit dem Glauben: Wenn er keine Werke hat, so ist er an und für sich tot. Da wird dann einer sagen: »Du hast Glauben, und ich habe Werke. Beweise mir doch deinen Glauben aus deinen Werken, und ich werde dir aus meinen Werken meinen Glauben beweisen!« Du glaubst, dass es nur einen Gott gibt? Du tust wohl daran! Auch die Dämonen glauben es — und zittern! Willst du aber erkennen, du nichtiger Mensch, dass der Glaube ohne die Werke tot ist?

Wir konnten bis hierin etablieren, dass ein Glaube ohne Werke tot ist und nicht davon zeugen kann, dass eine wahrhaftige Erlösung tatsächlich stattfand. Die Art der Werke kann vieles umfassen. Es fängt zuerst einmal mit einem Wandel der Persönlichkeit an. Denn die Sünden, in welchen wir zuvor lebten, werden uns durch Gottes Wort offenbar gemacht. Nach der Neugeburt durch die Taufe, fängt der Geist damit an, eine neue Gesinnung in den Menschen hineinzulegen. Weg vom Wandel gemäß dem Fleisch (Sünde) und hin zum Wandel nach dem Geist (Leben gemäß Gottes Geboten). Genau genommen wird dieser Gesinnungswandel i.d.R. auch schon vor der eigentlichen Taufe begonnen haben. Weitere Werke des Glaubens können z.B. sein: 

  • ein Dienst im Wort (Lehre, Gemeindeleitung)
  • Sorge für die Waisen und Witwen
  • Erziehung von Kindern im Glauben an Gott
  • materielle und / oder persönliche Unterstützung der o.g. Dinge

 

Gibt es ein Leben frei von Werken?

Ich möchte nun nochmal auf die Eingangs erwähnte Kontroverse über die Frage von Werken, Werksgerechtigkeit und der Schmähung der Gnade zurück kommen. Wie wir bereits sehen konnten ist in der Bibel nicht die Rede davon, dass wir uns auf der Gnade ausruhen sollen. Vielmehr noch gilt es jedoch zu beachten, dass wir so oder so  Werke zu tun werden. Kein Mensch, welcher bei normalem Verstand und Gesundheit ist, lebt einfach nur passiv vor sich hin, frei von jeglichen Werken. Die Frage ist nur, welche Art von Werken wir täglich ausüben. Die Bibel spricht ebenfalls davon, dass ein jeglicher Mensch Werke tut, doch nicht immer sind diese Werke vor Gott wohlgefällig.

 

Johannes Evangelium 3/19-21:

Darin aber besteht das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse. Denn jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zum Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott getan sind.

 

Galaterbrief 5/19-21:

Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, welche sind: Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit; Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsucht, Zwietracht, Parteiungen; Neid, Mord, Trunkenheit, Gelage und dergleichen, wovon ich euch voraussage, wie ich schon zuvor gesagt habe, dass die, welche solche Dinge tun, das Reich Gottes nicht erben werden.

Wie wir an den o.g. Versen sehen können, ist es gar nicht möglich, ohne Werke zu sein. Doch es gibt gute und schlechte Werke. Diejenigen unter uns, welche beständig nur die Werke des Fleisches tun, werden das Reich Gottes nicht erben. Vielmehr soll der Geist uns dazu befähigen, unsere fleischliche Gesinnung zu überwinden, damit wir Werke des Geistes vollbringen, welche vor Gott wohlgefällig sind, damit unser Leben ein Segen für andere werden kann.

Fazit

Ein wahrhaftiges Glaubensleben wird sich u.a. auch dadurch auszeichnen, dass Werke des Glaubens im Leben eines Nachfolgers sichtbar werden. Keines dieser Werke trägt irgend etwas zu unserer Erlösung bei. Die Erlösung erfolgt einzig und allein durch den Glauben an die Gnade, welche durch das Opfer Yeshua Maschiachs offenbar wurde. Vielmehr zeugen die Glaubenswerke davon, dass eine echte Erlösung wahrhaftig stattgefunden hat. Darüber hinaus ist kein Mensch frei davon in seinem täglichen Leben Werke zu tun. Daher macht es auch keinen Sinn zu behaupten, dass man es vermeiden sollte, Glaubenswerke auszuüben. Die Alternative dazu sind nämlich die Werke des Fleisches. Die Werke des Fleisches jedoch, können das Reich Gottes nicht erben (Galater 5/21).