Shalom,

heute möchte ich schauen, wie das Wort Glauben biblisch zu verstehen ist. Oftmals hören wir, dass wir nur glauben müssen und dass wir durch den Glauben errettet sind. Das stimmt grundsätzlich natürlich auch, so lesen wir im Römerbrief 3/30:

Denn es ist ja ein und derselbe Gott, der die Beschnittenen aus Glauben und die Unbeschnittenen durch den Glauben rechtfertigt.

Doch was genau ist “Glaube”? Die hebräische Sprache unterscheidet sich grundlegend von der deutschen Sprache. Im Deutschen sind die meisten Begriffe einfach willkürlich gewählte Worte, deren Bedeutung man gelernt haben muss. Das Wort Tisch z.B. gibt mir keinerlei Aufschluss darüber, was mit diesem Wort gemeint sein könnte. Vielmehr muss ich wissen, welche Bedeutung das Wort Tisch hat. Im hebräischen werden Worte aus Wurzeln gebildet, welche durch Vor- und Nachsilben ergänzt werden.

Alle Wörter, die aus derselben Wurzel gebildet wurden, haben einen Bezug zur Wurzel. Darüber hinaus haben die einzelnen hebräischen Buchstaben auch eine eigene Bedeutung für sich. Der Buchstabe Bet z.B. steht für ein Haus im weiteren Sinne. Das hebräische Wort für Haus ist “Bait”.

Wir wollen uns nun aber mit der Deutung des Wortes Glauben auseinandersetzten. Das Wort für “glauben” (Verb) auf hebräisch ist das Wort “he-ehmin” הֶאֱמִ֖ין. Die Wurzel zu diesem Wort ist “Aman” אֲמַן = (Strongs H0539: glauben, treu sein, etwas bestätigen, etwas unterstützen, ein Kind versorgen, vertrauen). 

Die Buchstaben der Wurzel lassen sich folgendermaßen aufschlüsseln:  

aman

 

Hier können wir sehen, dass das Wort für “glauben” eine starke Verbindung zu dem Wort “Treue” hat. Glauben ist somit nicht nur ein mentales Verständnis einer Sache (z.B. der Glaube an einem Gott). Dies finden wir auch in der Bibel bestätigt.

Jakobusbrief Kapitel 2/19-20:

Du glaubst, dass es nur einen Gott gibt? Du tust wohl daran! Auch die Dämonen glauben es — und zittern! Willst du aber erkennen, du nichtiger Mensch, dass der Glaube ohne die Werke tot ist.

Vater Abraham wurde der Glaube an Gott als Gerechtigkeit angerechnet, 1. Mose 15/6: 

Und Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete Er ihm als Gerechtigkeit an. 

Dieser Glaube zeichnete sich jedoch vor allem dadurch aus, dass Abraham für treu gegenüber Gott gefunden wurde. Er betete keine anderen Götter an und er befolgte die Gebote Gottes, ohne zu zögern. 

Mose 18/18-19:

Abraham soll doch gewiss zu einem großen und starken Volk werden, und alle Völker der Erde sollen in ihm gesegnet werden. Denn ich habe ihn ersehen, dass er seinen Kindern und seinem Haus nach ihm gebiete, den Weg des Herrn zu bewahren, indem sie Gerechtigkeit und Recht üben, damit der Herr auf Abraham kommen lasse, was er ihm verheißen hat.

Jakobusbrief Kapitel 2/21-22:

Wurde nicht Abraham, unser Vater, durch Werke gerechtfertigt, als er seinen Sohn Isaak auf dem Altar darbrachte? Siehst du, dass der Glaube zusammen mit seinen Werken wirksam war und dass der Glaube durch die Werke vollkommen wurde.

Im Deutschen würden wir zwischen “glauben” und “Treue” einen Unterschied sehen. In der hebräischen Sprache sind diese Begriffe austauschbar bzw. müssen je nach Kontext angewandt werden. Folgend zwei Beispiele: 

5. Mose 32/16-17 und 20:

Sie erregten seine Eifersucht durch fremde [Götter]; durch Gräuel erzürnten sie ihn. Sie opferten den Dämonen, die nicht Gott sind, Göttern, die sie nicht kannten, neuen Göttern, die erst vor Kurzem aufgekommen waren, die eure Väter nicht verehrten. Und er sprach:Ich will mein Angesicht vor ihnen verbergen; ich will sehen, was ihr Ende sein wird, denn sie sind ein verkehrtes Geschlecht, sie sind Kinder, in denen keine Treue ist. 

Das Wort für Treue im o.g. Vers ist das Wort “Emun” (אֵמוּן), welches ebenfalls aus der Wurzel “Aman” (H0539) stammt. Wie wir lesen konnten, scheltet Gott sein Volk. Es wird als Untreue gewertet, weil sie anderen Göttern nachfolgten. 

Sprüche 14/5: 

“Ein treuer Zeuge lügt nicht, aber ein falscher Zeuge spricht Lügen aus.”

Auch hier ist “Emun” das Wort für “treuer”. Folgend möchte ich einen Vers aufführen, wo der Begriff “Glaube” mehr gemäß dem deutschen Wortverständnis zu sehen ist: 

2. Mose 4/5: 

Darum werden sie glauben (יַאֲמִ֔ינוּ/Ja-aminu= Sie werden Glauben aus der Wurzel “Aman”/ אֲמַן, H0539), dass der Herr dir erschienen ist, der Gott ihrer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. 

Wie wir hier sehen können, geht ein wahrhaftiger Glaube an Gott mit Treue zu Gott einher. Wie wir zuvor im Jakobusbrief lesen konnten, ist ein intellektuelles Verständnis darüber, dass es einen Gott gibt, kein Indiz für eine wahrhaftige Nachfolge Gottes. Ein Glaube ohne die dazugehörigen Werke ist tot. Sehr wohl sind es nicht die Werke, die uns erlösen, sondern vielmehr zeugen die Werke davon, dass Erlösung wahrhaftig stattfand.

Die Treue zu Gott wird sich daran messen lassen, dass wir bemüht sind, seine Gebote zu halten und darüber hinaus keine anderen Götter anbeten. Wer diese Dinge vernachlässigt, glaubt entweder gar nicht an Gott oder wurde noch nicht wirklich erlöst. Der Umfang der Werke wird bei einem jeden anders ausfallen. Hier sei an das Gleichnis mit den Talenten erinnert (Matthäus 25/14-30). Wir sind dazu aufgerufen, gemäß den Fähigkeiten, welche Gott uns gegeben hat, zu wirken und zu dienen. Wer das nicht tut, wird die Konsequenzen tragen müssen. Der Knecht, der sein Talent in der Erde verbarg und es seinem Herrn ungenutzt zurückgab, wurde von dem Herrn gescholten und in die “äußerste Finsternis” geworfen (Matthäus 25/30).

 

Unglaube ist der Abfall von Treue

Hebräerbrief 3/12-13:

Habt acht, ihr Brüder, dass nicht in einem von euch ein böses, ungläubiges Herz sei, das im Begriff ist, von dem lebendigen Gott abzufallen! Ermahnt einander vielmehr jeden Tag, solange es »Heute« heißt, damit nicht jemand unter euch verstockt wird durch den Betrug der Sünde, (s. 1. Johannesbrief 3/4: “die Sünde ist die Gesetzlosigkeit”).

Hebräerbrief 3/17-18:

Über wen war er aber 40 Jahre lang zornig? Waren es nicht die, welche gesündigt hatten, deren Leiber in der Wüste fielen? Welchen schwor er aber, dass sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten, wenn nicht denen, die sich weigerten zu glauben.

Wie wir in den obigen Versen sehen konnten, ist ein beständiges Sündigen mit Unglauben gleichzusetzen. Ein verharren in der Sünde zeigt, dass es dem Menschen an Treue zu Gott und seinen Geboten mangelt. Ich erinnere an dieser Stelle erneut an die Definition der Sünde aus dem 1. Johannesbrief 3/4, welche ich oben in Klammern mit angegeben habe. 

 

Fazit

Der “Glaube” aus einem hebräischen Verständnis ist weit mehr als die mentale oder intellektuelle Akzeptanz von Tatsachen (z.B., dass es einen Schöpfer gibt). Vielmehr wird sich der Glaube darin bestätigen, dass wir in Treue und Nachfolge gegenüber Gott und seinen Geboten gefunden werden. Ein wahrhaftiger Glaube ist nur dann wirksam, wenn er mit entsprechenden Glaubenswerken einhergeht. So sehen wir auch im Hebräerbrief 11, wie die wahren Männer des Glaubens diesen durch ihre Werke bestätigten.  

Die Werke sind es nicht, welche uns gerechtfertigen vor Gott. Vielmehr zeugen die Werke davon, dass wir wahrhaftig in Yeshua erlöst wurden. Ein Glaube ohne Werke ist jedoch ein toter Glaube (Jakobusbrief 2/20). Die Art und der Umfang der Werke wird von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein, gemäß den Talenten, welche ein jeglicher von Gott bekommen hat. Der Glaube und die Nachfolge in Yeshua ist jedoch immer auch mit eigener Anstrengung verbunden. Darum möchte ich jeden Leser dazu ermutigen zu schauen, welche Fähigkeiten und Berufungen ihm Gott mit auf dem Weg gegeben hat und diese entsprechend einzubringen. Der Weg in das Leben ist nicht immer leicht, aber allemal lohnenswert.